Feuchte AMD: Manchmal kann ein Medikamentenwechsel helfen

Bestimmte Patient*innen mit feuchter Altersbedingter Makuladegeneration reagieren schlecht auf die klassischen Therapiemedikamente. Laut einer aktuellen Studie kann in solchen Fällen ein Wechsel zu modernen Originalwirkstoffen eine deutlich bessere Wirkung erzielen.

Bei der feuchten altersbedingten Makuladegeneration, auch neovaskuläre AMD genannt, bilden sich vor allem an der Stelle des schärfsten Sehens (Makula) krankhafte Blutgefässe unter der Netzhaut. Diese werden undicht, was bedeutet, dass Flüssigkeit austritt und die Sehzellen in der Makula schädigt.

Die Standardtherapie besteht aus Spritzen ins Auge: Sie enthalten sogenannte Anti-VEGF-Wirkstoffe, die das Gefässwachstum stoppen. Doch nicht alle Patient*innen mit einer feuchten Form der AMD sprechen auf die klassischen, langfristig bewährten Anti-VEGF-Wirkstoffe Ranibizumab, Bevacizumab und Aflibercept im gewünschten Mass an.

Längere Wirkungsdauer

Daher startete eine Forschendengruppe an der deutschen Universitätsaugenklinik Ulm im Zusammenhang mit schlecht reagierenden Patient*innen eine sogenannte VISTA-Studie, eine klinische Phase-III-Studie mit Testpersonen. Bei dieser stand der Wechsel von den klassischen Wirkstoffen zu den modernen Alternativen oder Nachfolge-Medikamenten Brolucizumab und Faricimab im Zentrum der Untersuchungen.

Weder Brolucizumab (Eigenname des Medikaments: «Beovu») noch Faricimab (Eigenname «Vabysmo») sind Biosimilars, also keine Generika bzw. Nachahmerprodukte der ursprünglichen, biologisch basierten Wirkstoffe. Vielmehr stellen Brolucizumab und Faricimab eigenständige Originalwirkstoffe dar, die sich unter anderem durch eine längere Wirkungsdauer von den älteren Standards unterscheiden.

Die VISTA-Studie hat Folgendes ergeben: Der Wechsel zu den beiden neuen Medikamenten führte zu einer stabileren Sehkraft und zu einer anhaltenden Verminderung der zentralen Netzhautdicke.

Darüber hinaus konnte die Anzahl der notwendigen Spritzen ins Auge reduziert werden, ohne das Sehvermögen zu gefährden. Die detaillierten Ergebnisse der Studie hat der Leiter der Studie, Dr. Adnan Kilani, im Januar 2026 im Fachmagazin «Graefe’s Archive for Clinical and Experimental Ophthalmology» veröffentlicht.

Ablauf der Studie: 66 Testpersonen

Die Forschenden untersuchten die Krankheitsverläufe der feuchten AMD bei 66 Patient*innen, die auf die bisherige Standardbehandlung mit den älteren Wirkstoffen nicht wie erhofft reagiert hatten.

Aufgrund des enttäuschenden Standard-Therapieverlaufs bei besagten Personen wurde die Medikation umgestellt. Dabei erhielten 41 der Betroffenen nach durchschnittlich 22,2 Injektionen mit den Wirkstoffen Ranibizumab, Bevacizumab oder Aflibercept neu das Medikament Brolucizumab.

Das Durchschnittsalter in dieser Gruppe lag bei 78,6 Jahren. Die restlichen 25 Personen, die im Schnitt bereits 25,8 Vorinjektionen erhalten hatten, wurden auf den Wirkstoff Faricimab umgestellt; hier lag das Durchschnittsalter bei 79,6 Jahren.

Behandlungsergebnis nach 48 Wochen

Nachdem die Patient*innen fast ein Jahr lang mit den neuen Medikamenten behandelt worden waren, ergaben sich aus den Ergebnisse der VISTA-Studie deutliche Belege für Verbesserungen.

So blieb in der Gruppe, die Brolucizumab erhielt, die Sehschärfe im Mittel mit 0,49 logMAR stabil.

In der Faricimab-Gruppe hingegen verbesserte sich die Sehschärfe im Mittelwert zum Ende des Jahres deutlich auf einen Wert von 0,20 logMAR (ein niedrigerer logMAR-Wert bedeutet eine bessere Sehschärfe). Dies deutet auf einen lasngfristigen Vorteil dieses Wirkstoffs beim Sehvermögen hin.

Netzhaut-Schwellungen gingen zurück

Weiter konnte ein positiver Einfluss der neuen Medikamente auf die krankhafte, durch die feuchte AMD verursachte Verdickung im Zentrum der Netzhaut gemessen werden, und zwar in beiden Gruppen.

Die Schwellung der Netzhaut verringerte sich bei den Patient*innen, die Brolucizumab erhielten, von einem Ausgangswert von 313 Mikrometern auf 259 Mikrometer am Ende der Studie.

Unter Behandlung mit Faricimab reduzierte sich die Netzhautdicke von ursprünglich 315 Mikrometer auf 260 Mikrometer.

Ein wichtiger Fortschritt liess zudem bei der Behandlung der sogenannten fibrovaskulären Pigmentepithelabhebung erzielen. Dabei handelt es sich um eine Vorwölbung des Pigmentepithels unter der Netzhaut, die oft als besonders therapieresistent gilt (das Pigmentepithel ist die äusserste Schicht der Netzhaut und fungiert als lebenswichtige Versorgungszone für die Sehzellen).

In der Studie zeigten hier beide neuen Medikamente eine gute Wirkung: Der Wirkstoff Faricimab konnte besagte Abhebungen von einem Ausgangswert bei 151 Mikrometern effektiv auf 110 Mikrometer abflachen lassen.

In der Gruppe, die Brolucizumab erhielt, sank dieser Abhebungswert von 210 Mikrometern auf 160 Mikrometer, aber erst zum Ende der Beobachtungsphase.

Längere Zeitintervalle zwischen den Spritzen

Neben den beschriebenen anatomischen Verbesserungen stand auch die Lebensqualität der Testpersonen im Fokus. Ein zentrales Ergebnis der vorliegenden Studie ist, dass die Zeitspanne zwischen den notwendigen Spritzen deutlich verlängert werden konnte.

Vor dem Wechsel mussten die Betroffenen im Durchschnitt etwa alle 5 Wochen zur Behandlung erscheinen. Am Ende der zirka einjährigen Phase gelang es, diese Intervalle dank beiden erwähnten Medikamenten erfolgreich auf durchschnittlich 9 bis 10 Wochen auszudehnen.

Das bedeutet für die Patient*innen fast eine Verdoppelung der spritzenfreien Zeit bei gleichzeitiger Stabilität der Erkrankung.

Fast 90 Prozent schlossen Tests erfolgreich ab


Um diese Ergebnisse zu erreichen, waren über den Zeitraum von 48 Wochen hinweg durchschnittlich 6,3 Spritzen in der Brolucizumab-Gruppe und 7,2 Spritzen in der Faricimab-Gruppe erforderlich.

Insgesamt schlossen fast 90 Prozent der Teilnehmenden die fast einjährige Beobachtungsphase erfolgreich ab. Nur wenige Personen beendeten die Studie wegen unerwünschten Ereignissen oder dem Verlust der Nachbeobachtungsmöglichkeit vorzeitig (PJ).

Quellen: