In dieser Kolumne berichtet die RP-Patientin Josephine Hayley-Barker (25), Koordinatorin von Retina Suisse Youth, Vorstandsmitglied von Retina Suisse und Retinitis-pigmentosa-Patientin, über ihren Alltag mit Sehbehinderung.
josephine.hayleybarker@retina.ch
Als sehbehinderte Person bin ich auf den öffentlichen Verkehr angewiesen. Bei uns in der Schweiz gibt es gelegentlich schon Verspätungen oder sogar Ausfälle von Verbindungen, aber im Vergleich zum Ausland komme ich hier, in Zürich und anderswo, sehr gut voran.
Wenn ich unterwegs bin, habe ich meinen Blindenführhund Quiro an meiner Seite, der mir hilft, die Türen und die Haltestellen für Bus, Tram und Zug zu finden. Leider hat er noch nicht lesen gelernt. Also arbeite ich in der Regel mit der SBB-App, welche die Verbindungen anzeigt.
An manchen Haltestellen kommt es nicht drauf an, dass ich nicht sehen kann, was die Nummer des öV-Mittels ist, das da gerade abfährt – hier ist es immer dieselbe Linie. Daran schliesst sich die Situation an, dass es weniger drauf ankommt, in welches Verkehrsmittel ich einsteige: Viele Wege führen nach Rom.
Wenn ich jedoch in einen ganz bestimmten Bus einsteigen will, kann ich mich in Fahrtrichtung vorne an der Haltestelle auf die weissen Linien, die sich am Boden befinden, stellen. Der Busfahrer ruft dann die Nummer seiner Linie aus.
Bei den Zügen ist die Situation schwieriger. Da orientiere ich mich an der Zeitangabe oder agiere mit der Inclusive-App der SBB.
Es wäre für mich sehr hilfreich, wenn die Züge am Bahnhof angesagt würden, wenn sie einfahren. Man sagte mir aber, dies sei nicht möglich – aus diversen Gründen, die ich als Betroffene nicht wirklich nachvollziehen kann.
Nun ja, bis jetzt ist es noch nie sehr kritisch geworden, wenn ich doch einmal aus Versehen in den falschen Bus oder Zug eingestiegen bin. Den Weg nach Hause habe ich immer wieder gefunden, wenn auch über Umwege. Mit meinem Hund und dem Smartphone führen praktisch alle Wege nach Rom bzw. in mein Zuhause.

