Ist das Auge gerötet und tut etwas weh? Klingt zunächst nicht dramatisch

Wegen ihrer leicht scheinenden, unspezifischen Symptome tun viele eine Entzündung der mittleren Augenhaut, eine sogenannte Uveitis, als banale «Augenreizung» ab. Doch Vorsicht: Bis zu zehn Prozent aller Sehbehinderungen in Europa und den USA gehen auf eine Entzündung der mittleren Augenhaut zurück. Ausserdem kann die Behandlung zu einer langwierigen Angelegenheit werden.

Peter Jankovsky, Kommunikation Retina Suisse, peter.jankovsky@retina.ch

Der Begriff «Uveitis» bezeichnet eine Entzündung der Uvea, also der mittleren Augenhaut. Diese besteht aus drei Teilen: aus der Iris, aus dem Ziliarkörper (ringförmiger Teil der mittleren Augenhaut, der für die Aufhängung der Linse und die Anpassung der Brechkraft des Auges verantwortlich ist) sowie aus der Aderhaut (Choroidea: ihre Hauptaufgabe ist die Versorgung des Auges mit Blut, also mit Nährstoffen und Sauerstoff, insbesondere für die Netzhaut).

Typische Symptome einer Uveitis sind:

● Rötung des Auges

● Augenschmerzen und Lichtempfindlichkeit

● Verschwommenes Sehen und dunkle «Schwebeteilchen» im Blickfeld

● Vermindertes Sehvermögen oder Gesichtsfeldausfälle

● Die Beschwerden können plötzlich akut auftreten oder schleichend chronisch verlaufen, oft auch wiederkehrend.

Bleibt die Entzündung unbehandelt, drohen schwerwiegende Komplikationen, darunter Grauer Star (Katarakt), Grüner Star (Glaukom), Makulaödem, Netzhautablösung oder Schädigungen des Sehnervs bis hin zum dauerhaften Verlust der Sehfähigkeit.

Entzündung kann im Hintergrund aktiv bleiben

Viele Patient*innen nehmen die Uveitis auf die leichte Schulter. Denn die Symptome wirken zunächst harmlos und unspezifisch: Die geröteten Augen, den leichten Schmerz oder das verschwommene Sehen tun die Betroffenen häufig als Bindehautentzündung, Überanstrengung der Augen oder als Augenaustrocknung ab.

Dies umso mehr, als gerade bei milden oder schleichenden Verläufen anfangs starke Schmerzen ausbleiben. Weil ausserdem eine Uveitis am Anfang und in der Regel gut auf Kortison anspricht, klingen die ersten milden Symptome rasch ab.

Das kann den Eindruck erwecken, es handle sich um ein banales, vorübergehendes Problem – obwohl die Entzündung im Hintergrund weiter aktiv sein oder wiederkehren und dann massive Folgeschäden am Auge hervorrufen kann. Alles in allem gehen bis zu zehn Prozent aller Sehbehinderungen in Europa und den USA auf eine Uveitis zurück, besagt die Statistik.

Eher jüngere Menschen betroffen

Die Entzündung der mittleren Augenhaut tritt überwiegend bei Menschen im Alter zwischen 20 und 50 Jahren auf. Die häufigste Form ist die anteriore Uveitis, die Iris und Ziliarkörper betrifft und 40 bis 60 Prozent aller Fälle ausmacht.

Die intermediäre Uveitis, lokalisiert an der Ansatzstelle des Glaskörpers sowie an der peripheren Retina, kommt in 9 bis 15 Prozent der Fälle vor.

Die posteriore Uveitis, bei welcher Aderhaut und/oder Netzhaut betroffen sind, macht 17 bis 23 Prozent aus. Eine Panuveitis, bei der sämtliche Abschnitte der Uvea entzündet sind, wird in 7 bis 32 Prozent der Fälle diagnostiziert.

Man unterscheidet zwischen infektiösen und nichtinfektiösen Formen. In einkommensstarken Ländern entfallen 11 bis 21 Prozent der infektiösen Uveitis-Fälle auf Erreger wie Toxoplasma gondii (einzelliger Parasit mit Katzen als Endwirten), Herpesviren, Mycobacterium tuberculosis oder das Humane Immundefizienzvirus (HIV). Dieser Anteil beträgt in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen etwa 50 Prozent.

Bis zu 51 Prozent der Uveitisfälle ungeklärt

Eine neue Studie eines gemischten britischen Forschendenteams unter der Leitung Ophthalmologie-Abteilung der University of Bristol hält fest: In den Vereinigten Staaten und in Europa bleiben 27 bis 51 Prozent der Uveitisfälle im Hinblick auf ihre Ursache ungeklärt.

Weitere 37 bis 49 Prozent stehen im Zusammenhang mit systemischen Erkrankungen, darunter insbesondere die axiale Spondyloarthritis (chronisch-entzündliche Erkrankung der Wirbelsäule).

Zentrales therapeutisches Ziel ist die sogenannte Remission: Es gilt, die Symptome der Uvea-Entzündung zu beseitigen oder stark zu dämpfen und diesen Zustand dauerhaft aufrechtzuerhalten. Dabei soll der Einsatz von Kortikosteroiden möglichst begrenzt werden, um Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, Osteoporose, weitere Augenprobleme und ein erhöhtes allgemeines Infektionsrisiko zu vermeiden.

Bei eindeutig infektiösen Formen der Uveitis ist eine systemische antimikrobielle Therapie erforderlich.

Bestehende entzündliche Systemerkrankungen (verschiedene Organsysteme betroffen), die mit einer Uveitis einhergehen, sollten durch die jeweils zuständigen Fachdisziplinen, etwa die Rheumatologie, mitbehandelt werden.

Möglichkeiten der Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach der anatomischen Form der Uveitis. Die anteriore Uveitis wird primär mit topischen Kortikosteroiden behandelt (Medikamente, die entzündungshemmende, antiallergische, immunsuppressive und juckreizlindernde Eigenschaften haben). Bei milden Verläufen der intermediären Uveitis wiederum ist zunächst ein abwartendes Vorgehen möglich.

Patient*innen mit moderater bis schwerer intermediärer Uveitis, posteriorer Uveitis oder Panuveitis tragen hingegen ein hohes Risiko für sehkraftbedrohende Komplikationen und benötigen eine systemische Behandlung und/oder eine Glaskörper-Innentherapie mit Kortikosteroiden sowie mit gezielt das Immunsystem dämpfenden Medikamenten.

Laut der britischen Studie haben sich bei der Behandlung der posterioren Uveitis in jüngerer Zeit sogenannte krankheitsverändernde antirheumatische Medikamente (Disease Modifying Antirheumatic Drugs, DMARDs) als Therapieoption etabliert. So führte der Wirkstoff Methotrexat bei 52,1 Prozent der behandelten Patient*innen zu einer Remission der Entzündung, während Mycophenolat-Mofetil bei 70,9 Prozent der Betroffenen eine ausreichende Entzündungskontrolle erreichte.

Das Fazit

Die Uveitis ist eine sehr ernstzunehmende entzündliche Erkrankung der mittlerem Augenhaut, die vor allem Erwachsene im Alter zwischen 20 und 50 Jahren betrifft. Bei nichtinfektiöser anteriorer Uveitis stellen kortikosteroidhaltige Augentropfen die Therapie der ersten Wahl dar.

Für die nichtinfektiöse posteriore Uveitis gelten krankheitsmodifizierende antirheumatische Medikamente als Erstlinientherapie; Biologika wie Adalimumab kommen bei therapieresistenter Entzündung als Zweitlinienoption zum Einsatz.

Uveitiden infolge systemischer Infektionen erfordern eine gezielte antimikrobielle Behandlung. Der Einsatz lokaler oder systemischer Kortikosteroide richtet sich nach dem Schweregrad der Entzündung und dem jeweiligen Erreger.

Quellen: